Technische Ratgeber
Anhänger beladen und Ladung sichern
Für die Ladungssicherung auf dem Anhänger ist der Fahrer verantwortlich. Kurz gesagt: Die Ladung muss so verstaut und gesichert sein, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichen nicht verrutschen, umfallen, herabfallen oder unnötigen Lärm machen kann (§ 22 Abs. 1 StVO). Nach den anerkannten Regeln der Technik muss die Sicherung nach vorn 80 % und zur Seite und nach hinten 50 % des Ladungsgewichts aufnehmen können. Laden Sie schwere Gegenstände über oder knapp vor die Achse, damit die Stützlast positiv bleibt, ohne den zulässigen Wert zu überschreiten. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Anhänger richtig beladen und sichern.
Was schreibt das Gesetz zur Ladungssicherung vor?
Nach § 22 Abs. 1 StVO sind die Ladung, die Geräte zur Ladungssicherung und die Ladeeinrichtungen so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. Dazu zählen vor allem die Richtlinienreihe VDI 2700 und die Norm DIN EN 12195-1.
Wer ein Fahrzeug führt, muss außerdem dafür sorgen, dass der Zug und die Ladung vorschriftsmäßig sind und die Verkehrssicherheit durch die Ladung nicht leidet (§ 23 Abs. 1 StVO). Das gilt auch dann, wenn jemand anderes den Anhänger beladen hat.
Wie stark muss die Ladungssicherung sein?
Nach DIN EN 12195-1 muss die Sicherung diese Kräfte aufnehmen können:
- nach vorn mindestens 80 % des Ladungsgewichts
- zur Seite mindestens 50 % des Ladungsgewichts
- nach hinten mindestens 50 % des Ladungsgewichts
Bei 200 kg Ladung muss die Sicherung also nach vorn rund 160 kg und zur Seite und nach hinten jeweils rund 100 kg halten. Ein Teil davon wird durch die Reibung zwischen Ladung und Ladefläche aufgenommen, den Rest müssen Gurte, Formschluss oder Blockieren übernehmen.
Welches Bußgeld droht bei schlecht gesicherter Ladung?
Für solche Verstöße kann ein Bußgeld verhängt werden, unter Umständen auch Punkte im Fahreignungsregister oder ein Fahrverbot. Die Höhe hängt von der Art und Schwere des Verstoßes ab und ist im Bußgeldkatalog (BKatV) festgelegt.
Kommt es zu einem Unfall, können zusätzlich zivil- und strafrechtliche Folgen hinzukommen.
Stützlast
Der Anhänger belastet die Kupplung mit einem bestimmten Druck, der Stützlast genannt wird. Die Stützlast muss mindestens 4 % des tatsächlichen Anhängergewichts betragen, mehr als 25 kg sind dafür aber nicht erforderlich (§ 44 Abs. 3 StVZO). Die zulässige Stützlast von Zugfahrzeug, Anhängerkupplung und Kupplungskopf darf nicht überschritten werden – maßgeblich ist der niedrigste Wert. Sie finden ihn in der Zulassungsbescheinigung, der Betriebsanleitung und auf den Typenschildern. Nutzen Sie die zulässige Stützlast möglichst aus, das verbessert die Fahrstabilität.
Bei Anhängern mit Tempo-100-Zulassung schreibt die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO ausdrücklich vor, dass sich die Stützlast an der größtmöglichen Stützlast von Zugfahrzeug oder Anhänger orientiert, wobei der kleinere Wert die Obergrenze ist. Mit einem Stützrad mit Stützlastanzeige können Sie die Stützlast vor der Fahrt prüfen.
Wo platziere ich die Ladung auf dem Anhänger?
Haben Sie einen einzelnen schweren Gegenstand, zum Beispiel eine schwere Kiste, sollte dieser über oder knapp vor der Achse platziert werden. So bleibt die Stützlast positiv, ohne den zulässigen Wert zu überschreiten. Halten Sie den Schwerpunkt niedrig und in der Mitte, damit sich das Gewicht gleichmäßig auf beide Räder verteilt.
- Ladung zu weit vorn: Die Last auf der Kupplung nimmt zu und die Fahrzeugfront hebt sich. Die Folge sind Blendung durch das Abblendlicht und eine eingeschränkte Lenkfähigkeit.
- Ladung zu weit hinten: Die Last auf der Kupplung nimmt ab oder wird sogar negativ. Die Hinterräder des Zugfahrzeugs verlieren an Haftung, und der Anhänger beginnt leichter zu schlingern.
Mehr zur Gewichtsverteilung lesen Sie im Ratgeber Achslast beim Anhänger.
Wie viel darf ich auf den Anhänger laden?
Die maximale Zuladung ist die Differenz zwischen dem zulässigen Gesamtgewicht und der Leermasse des Anhängers. Beide Werte stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I und auf dem Typenschild. Prüfen Sie außerdem die zulässige Anhängelast Ihres Zugfahrzeugs. Sie kann niedriger sein als das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers, und dann dürfen Sie den Anhänger nicht voll beladen. Auch Ihr Führerschein begrenzt, wie schwer das Gespann sein darf. Mehr dazu in den Ratgebern Anhängergewichte erklärt, Überladung beim Anhänger und Wie schwer darf der Anhänger mit Führerschein B sein?
Welche Spanngurte brauche ich?
Die Ladung kann mit Spanngurten gesichert werden. Entscheidend ist nicht die Bruchlast, sondern die zulässige Zugkraft LC (Lashing Capacity) in daN, die auf dem Etikett jedes Gurtes steht (DIN EN 12195-2). Die Sicherung muss nach vorn mindestens 80 % und zur Seite und nach hinten mindestens 50 % des Ladungsgewichts aufnehmen können (DIN EN 12195-1). Wie viele Gurte Sie brauchen, hängt vom Gewicht, von der Reibung und von der Zurrart ab. Im Zweifel lieber stärkere oder mehr Gurte verwenden.
Eine glatte Ladefläche braucht mehr Gurte als eine Fläche mit guter Reibung. Verwenden Sie keine Gurte, die eingeschnitten oder verschlissen sind oder deren Etikett fehlt oder unleserlich ist. Passende Produkte finden Sie bei unseren Spanngurten und im Bereich Ladungssicherung.
Wie sichere ich die Ladung mit Zurrpunkten?
Die Zurrpunkte des Anhängers sind die Befestigungspunkte für die Spanngurte. Haken Sie die Gurte dort ein und führen Sie sie über die Ladung, gerne über Kreuz. Die Zurrpunkte dürfen nicht stärker belastet werden, als sie ausgelegt sind. Prüfen Sie deshalb, ob sie fest sitzen. Hat Ihr Anhänger keine Zurrpunkte, können Sie Zurrösen oder eine E-Track-Schiene mit verschiebbaren Befestigungspunkten nachrüsten.
Wie belade ich sicher?
- Schwere Ladung: in die Mitte des Anhängers, über oder knapp vor die Achse, und mit Spanngurten sichern. Paletten oder Holzklötze an den Seiten verhindern, dass die Ladung seitlich verrutscht.
- Leichtere Ladung: so auf der Ladefläche verteilen, dass die Ladehöhe möglichst niedrig ist. Einzelne leichte Gegenstände können Sie an der vorderen Bordwand abstellen und dort verzurren.
- Gartenabfälle: Äste, Laub und Grünschnitt decken Sie am besten mit einem Ladungsnetz ab. Ladungsnetze sind nützlich, egal ob Sie Bordwände haben oder nicht.
- Alles auf dem Anhänger muss gesichert sein. Nichts darf lose liegen.
Wie hoch und wie breit darf der beladene Anhänger sein?
Fahrzeug und Ladung dürfen zusammen nicht höher als 4 m und nicht breiter als 2,55 m sein (§ 22 Abs. 2 StVO). Hohe Ladung macht das Gespann aber empfindlich für Seitenwind und erhöht die Kippgefahr. Laden Sie deshalb so niedrig wie möglich. Für überstehende Ladung gelten eigene Regeln, siehe Überstehende Ladung am Anhänger und Maximale Breite beim Anhänger.
Dürfen Leuchten und Kennzeichen verdeckt sein?
Nein. Die vorgeschriebenen Kennzeichen müssen stets gut lesbar sein, und die vorgeschriebene Beleuchtung muss auch am Tag vorhanden und betriebsbereit sein (§ 23 Abs. 1 StVO). Achten Sie darauf, dass Ladung, Gurte oder Netze weder Leuchten noch Rückstrahler oder das Kennzeichen verdecken. Mehr dazu im Ratgeber Vorschriften zur Anhängerbeleuchtung.
Checkliste vor der Fahrt
- Die schwere Ladung steht über oder knapp vor der Achse, die Stützlast ist positiv und nicht zu hoch.
- Anhänger und Zugfahrzeug sind nicht überladen.
- Die Spanngurte sind unbeschädigt, haben eine ausreichende LC und sind straff gespannt.
- Keine Gurtenden, Seile oder Planen hängen lose herab.
- Leuchten, Rückstrahler und Kennzeichen sind frei.
- Halten Sie nach einer kurzen Strecke an und ziehen Sie die Gurte nach.